Interview mit dem neuen Leiter unseres Geschäftsbereichs EP

Metal Deposition Solutions

Seit diesem Sommer lenkt der bisher für den technischen Vertrieb verantwortliche Michael Herkommer die Geschicke unseres gesamten Geschäftsbereich Electroplating. Der in allen Bereichen der Galvanotechnik erfahrene und technikbegeisterte Leiter war maßgeblich an verschiedenen erfolgreichen Produkteinführungen beteiligt. Zuletzt hat er den neuen Bereich Halbleiter federführend mit aufgebaut und damit auch die zukunftsgerichtete Erweiterung unseres Produktportfolios angestoßen.

Wo Michael Herkommer als neuer Leiter Electroplating die Stärken aber auch die Herausforderungen für unseren Geschäftsbereich sieht, an welchen Stellen er Veränderungen herbeiführen möchte und auf welche Weise er dies tun möchte, aber auch was er privat als Ausgleich zu der fordernden Aufgaben macht haben wir ihn gefragt – lesen Sie hier seine Antworten in einem kurzen Interview:

Interview

Umicore: Herzlichen Glückwunsch zur neuen Position, Herr Herkommer. Wie schwer war es als Nachfolger von Thomas Engert, welcher den Geschäftsbereich Electroplating viele Jahre erfolgreich geleitet hat, in der neuen Position Fuß zu fassen?

Michael Herkommer: Vordergründig ändert sich ja an meiner täglichen Arbeit zunächst wenig, daher fällt es mir auch nicht schwer Fuß zu fassen. Klar, es stehen mehr übergreifende Aufgaben im Kalender und die Herausforderungen im internationalen Wettbewerb nachhaltig unsere Position auszubauen werden nicht weniger anspruchsvoll – zumal die Großwetterlage momentan schwer vorhersehbar ist.

Aber Kollegen, Themen und Interaktionen sind mir vertraut und ich finde das ist eine super Basis zur weiteren aktiven Gestaltung des Bereiches – in welchem ich ja bisher auch schon als Teil der Geschäftsleitung tätig war. 

Umicore: Was bringen Sie mit, dass Sie in den Geschäftsbereich zukünftig einbringen wollen bzw. wo sehen Sie Schwerpunkte in der Entwicklung?

Michael Herkommer: Ich war in den meisten Stationen meines Berufsweges vertrieblich tätig. Diese Prägung wird auch weiter dafür sorgen, dass Kundenorientierung bei mir und damit im Geschäftsbereich im Focus stehen wird.

Wichtig ist mir aber auch, dass der konsequente Ausbau unserer „capabilities“ weiter geführt wird. Sowohl hier am Hauptsitz in Schwäbisch Gmünd als auch an den internationalen Niederlassungen vom Geschäftsbereich Electroplating.

Umicore: Sie sind bereits seit 2005 im Unternehmen und kennen es entsprechend gut. Woran liegt es, dass das Unternehmen trotz der verschiedensten Krisen der letzten Zeit weiter so erfolgreich ist?

Michael Herkommer: Zuvorderst an der herausragenden Leistung der Mitarbeiter und an einem unpolitischen Umfeld. Ein solches geschütztes Umfeld habe ich in meinen vorhergehenden beruflichen Stationen nie gesehen. Das ist eine Hauptvoraussetzung dafür, dass die Energie und Kompetenz der Mitarbeiter „auf die Straße gebracht“ wird und so zielgerichtet den Aufgaben zugutekommt..

Darüber hinaus trägt uns sicher auch eine breite Aufstellung hinsichtlich der bedienten Märkte, sowohl was Anwendungen als auch Regionen betrifft. Das führte bislang stets dazu, dass wir in einer Krise nie komplett von einem spezifischen Markt abhängig waren. Eine solche Portfoliosteuerung müssen und werden wir uns erhalten.

Umicore: Wo liegen Ihrer Meinung neben dieser breiten Aufstellung die Stärken des Geschäftsbereiches Electroplating?

Michael Herkommer: Wie bereits angedeutet sehe ich hier vorrangig unsere qualifizierten Mitarbeiter mit Ihrer Kompetenz, Erfahrung und breit gewachsenen Netzwerken.

Dazu kommt, dass wir (Mitarbeiter und Unternehmensleitung) zur Evolution fähig sind. Wandlungsbereitschaft und -fähigkeit betrachte ich als entscheidende Voraussetzung, um neue Wege gehen zu können. Wir sehen dies beispielsweise beim momentanen Aufbau unserer Halbleiteraktivitäten. Hier haben wir uns schnell und gezielt in ein Segment eingearbeitet und schon nach kurzer Zeit entsprechende Ressourcen und Prozesse bereit stellen können, welche zum erfolgreichen Markteintritt nötig waren.

Der Ausbau mit innovativen Produkten in unserem technischen Segment und uns im Halbleiterbereich zu etablieren ist ein „must-win-battle“ für uns.

Michael Herkommer (MDS, Leiter des Geschäftsbereichs EP)

Umicore: Mit innovativen Produkten ist man dabei das technische Segment auszubauen und auch im Halbleiterbereich zu etablieren. Werden Sie den Weg weitergehen?

Michael Herkommer: Absolut, das ist ein „must-win-battle“ für uns.

Zudem sehe ich es als eine gute Gelegenheit, innerhalb der Business Unit MDS noch näher zusammenzurücken und gegenseitig voneinander hinsichtlich Marktzugänge und Kompetenzen zu profitieren. Unsere Zielkunden überlappen sich ja zu einem guten Teil mit denen des Geschäftsbereich Thin Film Products (TFP).

Umicore: Was bedeutet der Ausbau des Produktportfolios für die bisher erfolgreichen Geschäftsfelder (Leiterplatten, Nichtedelmetall- und dekorative Anwendungen sowie elektrokatalytische Elektroden)?

Michael Herkommer: Natürlich bleibt das Edelmetallgeschäft für uns eine zentrale Säule und wir werden weiter an innovativen Lösungen in diesen Feldern arbeiten. Auch die Distribution von Handelspartnerprodukten wie z. B. von Uyemura oder San-Ei wird als sinnvolle Ergänzung zu unserem Portfolio unverändert fortgeführt und ggf. auch ausgebaut.

Natürlich bleibt ebenfalls unser kaufmännisches und technisches Serviceangebot bestehen, bzw. wird optimiert oder ausgebaut. Service ist und bleibt ein essentieller Bestandteil, um mit unseren Kunden im Dialog zu bleiben.

Kurz: Wir werden mit mir das Rad nicht neu erfinden und in keiner Weise unseren bisherigen Geschäftskern aufgeben. Natürlich aber wollen wir uns quasi jeden Tag zum Vorteil unserer Kunden weiter entwickeln.

Umicore: Welche Herausforderung gilt es für den Geschäftsbereich Electroplating in den kommenden Jahren zu meistern?

Michael Herkommer: Viele Herausforderungen ergeben sich und sind oft nicht planbar. Für uns ist es vor allem wichtig frühzeitig die neuen Anforderungen unserer Kunden zu kennen. Auch wenn wir aufgrund der oft partnerschaftlichen Verhältnisse zu unseren Kunden hier gut aufgestellt sind – für mich gilt es nicht zuletzt deshalb strukturell unsere Kundenbeziehungen an höchster Stelle einzuordnen.

Als eine steuerbare Herausforderung empfinde ich den Ausbau unserer Außenwahrnehmung. Insbesondere unsere Reputation in Nischen, in welchen wir erfolgreich arbeiten, gilt es in die hinzugekommenen Zielmärkte zu übertragen.

Weiterhin sehe ich es als wichtig an unser Qualitäts- und Kostenmonitoring weiter zu entwickeln sowie Abläufe kontinuierlich auf neue Gegebenheiten hin zu hinterfragen und zu optimieren. 

Umicore: Wer Sie näher kennt, weiß dass Stillstand im beruflichen Umfeld für Sie ein Fremdwort ist. Welche Veränderungen möchten Sie noch in Ihrem ersten Jahr als Leiter des Geschäftsbereichs anstoßen?

Michael Herkommer: Tatsächlich habe ich mehrere Einzelthemen im Auge: Infrastruktur und Handelspartner, unser Portfolio, Training und Handwerkszeug für Mitarbeiter, verstärkte Digitalisierung, ...

Der Kopf ist voll mit Ideen, aber ich möchte einen kontinuierlichen Wandel – nicht ad hoc. Kunden, Dienstleister und Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben sich einzubringen. In einem solchen evolutionären Ansatz sehe ich die Chance einer tieferen Verankerung innerhalb und außerhalb des Unternehmens. 

Umicore: Was war Ihr berufliches Highlight in den vergangenen Jahren, wenn wir von der jetzigen Berufung zum Leiter des Geschäftsbereichs absehen.

Michael Herkommer: Eindeutig die Identifikation und Etablierung der Zusammenarbeit mit unserem Partner Shinhao Materials LLC, mit dem wir unsere Präsenz im Halbleiterbereich weiter stärken wollen.

Das Timing war perfekt, haarscharf noch vor Ausbruch der Pandemie haben wir das Kick-Off Meeting mit dem gesamten Team in Suzhou/China durchführen können. Im Anschluss ist es uns auch ohne Präsenzmeetings gelungen geradlinig zu agieren und uns Knowhow und ein Portfolio im Bereich Advanced Packaging aufzubauen.

Obwohl noch Hürden zu überwinden sind, haben wir es geschafft, Produkte im Markt bereits kommerziell zu platzieren. Das schafft Erfolgserlebnisse für das Team und zeigt auch mir, dass wir hier eine gute Entscheidung für das Unternehmen getroffen haben.

Umicore: Die neue Aufgabe verlangt zusätzlich Aufmerksamkeit, wie vereinbaren Sie dies mit Ihrem Privatleben als Naturmensch und Familienvater?

Michael Herkommer: Bisher gelingt es mir ganz gut beides, also Beruf- und Privatleben, unter einen Hut zu bringen. Ich benötige auch beides. Zum einen die Herausforderungen im Geschäft – neues auszuprobieren und der gemeinsame Erfolg treiben mich an.

Im Gegenzug benötige ich den privaten Ausgleich. Beispielsweise mag ich das Gärtnern und die Arbeiten in der Natur. Ich merke, wie es mir gut tut hier mit meiner Familie zusammenzukommen, zu gestalten und außerdem sieht man meist in kurzer Zeit ein positives Ergebnis. Natürlich ist mir dabei auch der körperliche Ausgleich wichtig und ich bleibe in der Natur sprichwörtlich geerdet und an Nachhaltigkeit erinnert. 

Zur Person

Michael Herkommer, geboren im April 1968, absolvierte ein Studium an der Hochschule Aalen. Nach einem Masterstudium an der University of Manchester in England sammelte er ab 1994 Berufserfahrung bei verschiedenen Firmen im In- und Ausland bevor er im Januar 2005 als Vertriebsingenieur ins Unternehmen eintrat.

Im November 2006 übernahm er die Produktverantwortung für Lötstopplacke im Leiterplattenbereich. Ab März 2010 berichtete Michael Herkommer als Leiter Strategische Geschäftsentwicklung direkt an den Geschäftsführer mit dem Ziel der nachhaltigen Weiterentwicklung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Seit 2014 verantwortete Michael Herkommen den Bereich „Technischer Vertrieb“.

Seit Juli 2022 leitet Michael Herkommer in der Umicore Gruppe innerhalb der Business Unit Metal Deposition Solutions (MDS) den Geschäftsbereich Electroplating (EP).

Unsere Vorhaben für die nächsten Jahre

Umicore RISE Strategy 2030